Aufzucht von Marderkindern 8. - 12. Woche

Gesundheitliche Probleme bei jugendlichen Mardern

Zähne ?
Bein Handaufzuchtmardern kann es aufgrund der fehlenden Muttermilch zu Zahnungsproblemen kommen. Wenn sie bereits vor der 8. Woche Schüssler-Globuli Nr. 1 und Nr. 2 gegeben haben, sollte hier eigentlich nichts ins Arge kommen. Mögliche Auffälligkeiten könnten sein: Doppelzahnung ab der 10. Woche oder Zahnungskrämpfe.

Kot ?
Ab der ersten festen Nahrung nimmt der Kot eine braune Farbe an. Der gelbe Milchkot ist dann nicht mehr zu finden. Es sollte eine feste Masse sein.

Verletzungen
Bei mehreren Marderkindern wird das Spielen jetzt wesentlich grober. Kleine Verletzungen erst mal nur beobachten. Wenn Eiter entsteht, muss die Wunde offen gehalten werden, dass das Eiter abfliesen kann. Hier bitte nicht mit brennenden Wundmitteln (Arnika, Beta Isadonna, Alkohol usw.) behandeln.

Freigang: Die ersten Schritte im Freien führen zu ungeahnten Problemen. Vor allem psychische Auffälligkeiten können jetzt zum Problem werden. Angstzustände, Panik, aber auch kleine und große Unfälle mit Verletzungen. Hier muss individuell beraten werden.

Für weitere Fragen stehen wir gerne zur Verfügung in unserem Marderhilfsnetz - Forum

Einige weiter Probleme und die Behandlungen dazu finden sie auch im Teil "häufigste Probleme "

Ernährung

Mit dem Speiseplan sollte hier noch sehr vorsichtig umgegangen werden. Hauptnahrung sollte nach wie vor Animonda Kittenfutter sein. Als gute Abwechslung kann nun auch "Rinti Junior Huhn" gefüttert werden.

Ab der 8. Woche können Eintagsküken angeboten werden. Vermutlich werden die noch nicht komplett gefressen. Aber der erste Kontakt ist wichtig ! Einfach immer wieder anbieten. Oft kann mit dem ganzen Küken noch nicht viel angefangen werden - hier könnte man auf gewolfte Küken zurückgreifen oder die ganzen Küken im halbgefrorenen Zustand in kleine Stücke schneiden. Ebenso können Mäuse angeboten werden. Am besten Mäuse aus dem Frostfutterhandel.
Bei den ersten Ausflügen sollte man die Kleinen immer auf Grillen, Heuschrecken, Mistkäfer usw. aufmerksam machen. Sie werden schnell Spaß daran finden, diese „Beute“ zu jagen und später in der freien Natur gehört solches Kleinzeug ja auch auf ihren Speiseplan.

Bei Vögeln und Mäusen die sie in der Natur finden, ist Vorsicht geboten. Es kann nie sicher sein, dass die Maus nicht an Rattengift verstorben ist. Dies würde im Magen des Marderchens seine weitere Wirkung tun.

In Verbindung mit festem Futter sollte jetzt bereits auf Calziummangel vorgebeugt werden:
  • frisches Knochenmehl (auf keinen Fall fertiges Pulver aus dem Zoohandel - kann zu Verstopfung führen - Lebensgefahr); 1/2 Tel. ins Animonda rühren (1 mal tgl.); frisches Knochenmehl gibt es leider nur in der Metzgerei.
  • Eierschalenkalk - frisch zermörsert bzw. gemahlen; max. 1 kleine Messerspitze pro Tag ins Futter
  • Adler Ortho Kapseln Nr. 2; 1 Kapsel pro Tag ins Futter mischen (auf den ganzen Tag in kleinen Mengen verteilt)

Um den Speiseplan langsam zu erweitern kann auch folgendes angeboten werden:

  • gekochtes oder rohes Eigelb (max. einmal pro Woche)
  • Hühner- und Putenfleisch gegart, ungewürzt (max. 1 mal pro Woche)
  • ab der 16. Woche: reifes, heimisches Obst (unbehandelt oder zumindest gut gewaschen oder Schale abgeschnitten); Bitte Vorsicht mit Bananen und Trauben - zu hoher Zuckergehalt.

Weiterhin gilt - Bitte nicht: Schokolade, gewürzte oder gesalzene Speisen, Säurehaltiges und Lebensmittel mit Konservierungsmitteln oder Zusatzstoffen.

Futtermenge:

Ab der 8. Woche können die Mahlzeiten verringert werden. Das heißt: 5 Mahlzeiten pro Tag. Einmal Küken einmal Animonda oder Rinti Junior. Pro Mahlzeit soviel die Marderkinder wollen, dann aber wieder wegnehmen. Sie sollen nicht ständig Futter zur Verfügung haben. Später in der Natur gibt es oft in einer Nacht nur eine Mahlzeit. Deshalb kann man später auch die Mahlzeiten auf 4 mal, dann 3 mal, dann 2 mal reduzieren. Hungern sollen sie allerdings nie ! Bis zur 12. Woche müssen genug Nahrstoffe zur Verfügung stehen um keine Mangelerscheinungen zu riskieren.
Der Rest wird sich dann einspielen.
Wenn man das Futter immer wegstellt, lernen die Kleinen auch sich anderswo Voräte anzulegen und schnappen sich Mäuse oder Küken und "versorgen" diese in Verstecke. Die sollte man natürlich nicht wieder wegnehmen, damit die Marderchen wissen dass Vorrat anlegen Sinn macht.


Mardermädchen Easy plündert das Vogelfutter Wir füttern bereits ziemlich früh schon Küken - der richtige Zeitpunkt ist der wenn sie mobil werden und richtig anfangen rumzulaufen und nicht mehr wacklig auf ihren Beinen sind. Anfangs gibts ein Küken am Tag pro Tier, dann nach ein paar Tagen 2 und so steigert man auf ca. 4 Küken pro Tag zzgl. Fertigfutter.

 

Mit der Futterauswahl soll der Marder an seinen späteren Speiseplan gewöhnt werden.
Speiseplan eines erwachsenen Steinmarders:
Vögel, Mäuse, Ratten, Insekten, Würmer, ... Im Sommer und Herbst hauptsächlich Früchte wie Kirschen, Äpfel, Birnen, Beeren, ebenso Nüsse, Esskastanien oder Bucheckern. Der Steinmarder ist ein Allesfresser und passt sich seiner Wohngegend an. Katzenfutter,
Igelfutter und sogar Vogelfutter (Meisenknödel) werden nicht verschmäht.

Steinmarder im Vogelhaus. Sonnenblumenkerne schmecken auch sehr lecker. Ein Meisenknödel würde jedoch aufgrund des hohen Fettgehaltes zu enormen Bauchschmerzen und Durchfall führen.

 

Eintagsküken:Eintagsküken schmeken lecker

Die einzige Nahrung, in der so gut wie alles enthalten ist, was der Marder braucht sind Eintagsküken. Die Kleinen Marder werden mit so einem ganzen Küken oft noch nicht fertig aber sie sollen so früh wie möglich daran gewöhnt werden. Im Versandhandel "www.das-tierhotel.de" gibt es Kücken tiefgefroren zum bestellen. Mäuse sind auch eine gute Alternative. Diesen Versand kann ich sehr empfehlen.
Wer Steinmarder gewissenhaft und fachgerecht aufziehen will muss da leider durch. Ich weiß, es ist nicht jedermanns Sache aber es ist erforderlich.

Von den Federn bis zum Schnabel stecken in den Küken sehr viele Mineralstoffe und Vitamine. Um Mangelerscheinungen entgegen zu wirken ist das die beste Lösung. Einer der häufigsten Gründe für den Tod eines von Menschenhand aufgezogenen Marderkindes sind Mangelerscheinungen. Mehr zu diesem Thema ist unter "Gesundheit, Medizin" zu finden.

Marder und andere Tiere

Am Anfang sollten Katzen und andere Haustiere unbedingt von den Mardern ferngehalten werden. Katzen sind für die Marderbabys noch eine Gefahr. Hunde sollten generell nie mit den Babys in Berührung kommen. Ihr eigener Hund würde sich vielleicht mit den Kleinen arrangieren und sie könnten sogar gute Freunde werden. Aber wenn die Marder später auf eigene Erkundungen gehen, werden sie dem ein oder anderen Hund begegnen, der Marder nicht so gerne mag. Dieses aufgebaute Vertrauen zu einem Hund könnten dann tödlich enden.

Katzen können gerne mal an den Kleinen riechen, aber solange die Baby's noch nicht davon laufen können sollten sie nie mit einer Katze allein gelassen werden. Später ist das kein Problem mehr, da sie in der freien Wildbahn immer wieder auf Katzen treffen werden.

Von den Horrorgeschichten, dass ein Marder eine Katze tötet, halte ich nichts. Sie sind im Kampf ebenbürtig und gehen sich aus dem Weg. Falls es doch einmal zu einer Situation kommt (Futterstreit o.ä.) in der Marder und Katze streiten, gibt es sicherlich ein paar Kratzer oder Bisswunden - dann aber wird einer von beiden fliehen und aufgeben. Und das muss nicht immer die Katze sein. Der Marder mit seinen max. 2,5 kg ist doch etwas kleiner als die gut genährte Hauskatze. Wenn ihre Katze in so einem Streit Blessuren davon trägt, sollten sie allerdings den Tierarzt aufsuchen, da sich jede Wunde entzünden kann und versorgt werden soll.Marder mit Katzen beim fressen

Sicher ist: Ohne Grund greift kein Marder eine Katze an !!

Wer sagt hier die verstehen sich nicht ? Easy ist zwangsläufig mit Katzen aufgewachsen. Ein bisschen Futterneid aber sonst kein Problem. In der Natur gehen sich die beiden aus dem Weg, weil ein Kampf sich nicht rentiert und beide gleiche Chancen haben.

Anders sieht es mit Kaninchen und Meerschweinchen aus. Die sind für Marder eine Beute, die er ohne größere Probleme töten kann. Hier hilft nur ein Gehege, das kleinmaschig, überdacht und im Boden mind. 30-40 cm eingegraben ist.

Die Hauptnahrung des Marders besteht jedoch aus Mäusen, Ratten, Vögeln und - kaum zu glauben - im Sommer zu 80 % aus Obst.

Natürliche Scheu vor Menschen

Marderchen bis 8 Wochen haben keine Angst vor Menschen. Danach sollten sie unverzüglich lernen, dass der Mensch nicht ihr Freund ist. Das heißt bei Handaufzuchten: Bitte nur noch eine Bezugsperson. Die Kleinen nie in fremde Hände geben oder mit ihnen spielen lassen. Marder gehören auch nicht ins Haus. Bis zur 8. Woche ist das in Ordnung - danach sollen sie vom Tagesablauf der Menschen nichts mehr mitbekommen. Also eine geschützte Scheune, Gartenhaus, Garage oder ähnliches herrichten. Eine Katzenklappe ist für später eine gute Lösung. Die Marderchen lernen das sehr schnell und der evtl. Verfolger (z.B. Reviermarder) wird im Normalfall nicht eindringen.

Leine und Geschirr = Gefahr

Bis zur 8. Lebenswoche können die Babys noch in einem Laufstall im Haus gehalten werden. Danach drängt es die Kleinen nach draußen. Sie werden sich lautstark äußern und im wahrsten Sinn des Wortes "Die Wände hochgehen".

Auch für die ersten Versuche den Garten zu erforschen ist kein Geschirr nötig. Die Kleinen sind noch sehr ängstlich und werden sich kaum weit von der Ersatzmama entfernen. Auf keinen Fall darf ein Halsband oder ein Geschirr dem Marder angelegt werden, wenn er ohne Aufsicht ist. Die Gefahr sich damit selbst zu erhängen ist zu groß. Dies gilt auch für Zeckenhalsbänder.

Problemfall Einzelkind

Generell sind Steinmarder Einzelgänger. Während der Babyzeit und dem Erwachsen werden ist es jedoch dringend nötig von anderen Mardern zu lernen. Im Idealfall übernimmt das die Mutter. Da unsere Marderkinder ohne die richtige Mama aufwachsen, ist das Lernen nicht so einfach. Wir Ersatzmama's können diese Lücke nicht füllen. Das Leben eines Marders besteht aus Futtersuche, Flucht vor dem Feind (auch Menschen), Revierkämpfen und Paarung. Bei den Fähen kommt hier noch die Aufzucht der Jungen dazu.

Beim Futter können wir sie noch in die richtige Richtung führen. Indem wir zu den Jahreszeiten das passende Futter anbieten, lernen die Kinder was es alles auf dem Speiseplan gibt (im Sommer vor allem Obst).
Das Fluchtverhalten ist angeboren und bedarf nur ein bisschen Unterstützung, indem wir die Kleinen möglichst von fremden Menschen fernhalten und ihnen vorleben sich sofort zu verstecken, wenn Gefahr droht. Das mit der Paarung kriegen die Süßen auch selber hin, wenn es soweit ist - immerhin ist die erste Paarungszeit erst im August des nächsten Jahres.
Aber was wir ihnen nicht beibringen können ist das Kämpfen. Sich zu verteidigen und auch anzugreifen ist in der freien Natur lebenswichtig. Dazu gehört nun mal beißen. Geschwisterchen untereinander toben sich aus und beißen sich auch gegenseitig. Das wird einem Einzelkind immer fehlen. Dadurch hat es wesentlich schlechtere Chancen sich später gegen den Reviermarder zu behaupten, was früher oder später dazu führt, dass ihr Einzelkind immer auf der Flucht ist und das Revier verlassen muss.

Die Aufgabe ein Einzelkind groß zuziehen ist also um ein Vielfaches schwieriger als mit Geschwistern. Am Anfang helfen noch Stofftiere, Quietschtiere, Fellmäuse usw. dass das Kind nicht so alleine ist. Aber dann .....

Marderhilfsnetz  •  Karin Amann  •  karin@marderhilfsnetz.de