Behinderungen:
In seltenen Fällen gibt es Marder mit Behinderung.
Z.b. Durch Unfall, Angriff durch Raubtiere oder die
Mutter hat das Baby schon aus einem Behinderungsgrund
liegen lassen. Ein solches Tier kann noch ein glückliches
Leben führen - allerdings nur unter bestimmten
Voraussetzungen: Das Gehege muss mindestens 80 qm sein
(lt. Tierschutzbestimmungen sind 30 qm Pflicht, führt
aber bei Mardern unweigerlich zu Stereotypien), eine
feste Behausung um sich zurückzuziehen und als
Schutz vor Regen und Kälte, diverse Unterhaltungsmöglichkeiten
wie Bäume, Tunnelsysteme, Teich usw.
Ein Marder in Gefangenschaft braucht sehr viel Abwechslung
und Beschäftigung, sonst kommt es sicher zu Verhaltensstörungen
und Stereotypien. Um Schüsslersalze und Nahrungsergänzungen
kommt man ohnehin nicht herum. Marder lassen sich nicht
zusammen halten - es sind Einzelgänger. Auch wenn
man denkt, der liebe verschmuste Jungmarder bleibt immer
so - seien sie gewiss, er wird sie irgendwann angreifen
wenn er unzufrieden ist. In der Natur ist er die meiste
Zeit der Nacht mit jagen, Revier verteidigen und Aufzucht
der Jungen bzw. Revierkämpfe beschäftigt -
das ist ein Fulltimejob. In Gefangenschaft braucht er
dementsprechend viel Auslastung. Die Ernährung
spielt dabei eine grundlegende Rolle - ohne Küken
und Mäuse geht nichts. Sind erst einmal Anzeichen
von Verhaltensstörungen da, wird es extrem zeitaufwendig,
langwierig und kostenintensiv. Wir beraten Sie gerne
!
Man sollte
nie aus egoistischen Gründen so ein Tier in ein
Gehege sperren. Bitte nicht behalten wollen, weil es
so süß und lieb ist. Damit ist dem Tier nicht
geholfen. Falls sie Bedenken haben, ob der Marder draußen
zurecht kommt und ihn deshalb erstmal in ihrer Obhut
belassen wollen, berücksichtigen sie bitte zumindest,
dass sie ihm den Weg in die Freiheit nicht verbauen.
Wichtig dabei: Auf keinen Fall eine Kastration durchführen
- damit ist der Weg in die Freiheit nämlich verbaut.
Ein kastrierter Marderrüde hat keine Chance draußen
jemals ein Revier zu finden. Er wäre verurteilt
sein ganzes Leben auf Wanderschaft bzw. Reviersuche
zu verbringen und würde sogar von jeder Fähe
vertrieben werden. Eine Fähe sollte ohnehin niemals
kastriert werden. Auch dann nicht, wenn sie definitiv
in Gehegehaltung bleiben muss. Marderfähen sind
nur einmal pro Jahr aufnahmefähig und können
deshalb (im Gegensatz zu Frettchen) nicht dauerrollig
werden.
Gehegehaltung:
Wenn es denn nun so sein soll, dass ein Marder aus handfesten
Gründen im Gehege gehalten werden muss, gibt es
wichtige Dinge, die berücksichtigt werden sollten.
Foto:
Hier ein Beispiel, wie ein Mardergehege eingerichtet
werden kann.
- Gehegegröße:
wie schon oben erwähnt, sollten es mind. 80 qm
sein. Im ersten Jahr kann man mit einem kleineren
Gehege anfangen, welches sich aber nach und nach vergrößern
lassen sollte.
- Gehegeausstattung:
Dem Marder ist es nicht wichtig, dass Ordnung und
Übersichtlichkeit herrschen. Deshalb sollte das
Gehege nicht für Menschenaugen eingerichtet werden,
sondern für den Marder viele Versteck- und Spielmöglichkeiten
bieten. Äste, Baumstämme, Holzstoß,
Steinhaufen, Hängematten und unterirdische Rohrsysteme
sollten zur Verfügung stehen. Im Sommer sollte
mehr Schatten als Sonne im Gehege sein. Dazu kann
das Gehege auch von oben mit Laub und Ästen bedeckt
werden. Möglich ist auch ein altes Bundeswehrtarnnetz
- siehe Foto links.

Wasser muss immer zur Verfügung stehen. Dazu
am besten sehr große Wasserschalen anbieten,
da jede kleine Wasserschüssel umgeworfen wird
und der Marder dann nichts zu trinken hat. Hier empfehle
ich Blumentopfuntersetzer mit ca. 60 cm Durchmesser.
Heizung sollte nicht angeboten werden - zum einen
ist es zu gefährlich, dass er die Kabel durchbeisst
und zum anderen soll vermieden werden, dass das Winterfell
nicht optimal ausgebildet wird. Es sollte ein isoliertes
Schlafhaus mit Katzenklappe angeboten werden. Im Sommer
schlafen die Marder gerne im Freien (z.B. in einer
Hängematte) aber im Winter wird so ein Häuschen
gerne genutzt - siehe Foto weiter unten.
- Abwechslung:
Im ersten und zweiten Jahr sollte man viele verschiedene
Spielmöglichkeiten anbieten. Ein großer
Sandhaufen, Sägespäne und Heuhaufen. Im
Herbst bietet sich an einen großen Laubhaufen
zu machen. Im Winter eine Schneeburg mit Löchern
und Eingängen - das lieben sie. Ab dem dritten
Lebensjahr bestehen die meisten Marder auf Beständigkeit.
Größere Veränderungen im Gehege erschrecken
sie. Deshalb sollte man sie in den ersten beiden Jahren
auf diverse Spielmöglichkeiten vorbereiten.
- Tagesrhythmus:
Im ersten Jahr haben die meisten Marder noch keinen
festen Tag- und Nachthrythmus. Sie haben es ja durch
die Aufzucht von Menschen nicht richtig gelernt. Aber
der Instinkt wird seinen Teil dazu beitragen - so
wird der Marder früher oder später den Tag
verschlafen und die Nacht zum spielen nutzen. Die
Fütterung sollte dementsprechend angepasst werden.
Am besten nach Sonnenuntergang eine Kükenration
und noch mal bevor die Sonne aufgeht.
Ernährung:
Ein Marder in Gehegehaltung hat andere Bedürfnisse
als ein freilebender. Küken sind ausschlaggebend
für die Ernährung. Ein Gehegemarder legt
keine solchen Strecken hinter sich wie ein freier
Marder und verbrennt deshalb nicht so viele Kalorien.
Die Hauptbeanspruchung "das Jagen" fällt
weg. Ein wilder Marder erbeutet im Frühjahr viele
verschiedene Beutetiere und hat so einen Ausgeglichenen
Speiseplan. Im Sommer findet er viel Obst und ein
strenger Winter bedeutet oft Hunger und Verlust der
Kräfte. Unsere Gehegemarder werden natürlich
besser ernährt, aber an bestimmte Grundsätze
sollten wir uns trotzdem halten. Ein kalter Winter
verursacht mehr Fettverbrennung, da die Energie für
die Wärmeproduktion benötigt wird. Hier
wäre es gut mehr Mäuse zu füttern -
die liefern mehr Energie und Kalorien als Küken.
Außerdem kann im Winter das Obst deutlich reduziert
werden, da es den Körper eher auskühlt als
wärmt. Im Sommer dagegen kann Obst in gleicher
Menge wie Futtertiere angeboten werden.
- Gesundheit:
Die Natur bietet wesentlich mehr Abwechslung und somit
einen ausgeglichenen Mineral- und Vitaminhaushalt.
Deshalb sollten unbedingt einige Mineralien zugesetzt
werden. Es wäre jedoch gefährlich einfach
nur Vitamintabletten und Kapseln zu geben, ohne eine
genaue Bedarfsanalyse zu erstellen. Da wir seit vielen
Jahren Gehegemarder pflegen, haben wir bereits all
die Erfahrungen gemacht, die ihrem Marder die Gesundheit
kosten könnten. Da jeder Marder aber eine andere
Voraussetzung und einen anderen Lebensumstand hat,
möchte ich hier keine pauschalen Nahrungsergänzungtipps
geben. Um die benötigten Zusätze ihres Marders
zu ermitteln, bedarf es eines persönlichen Kontaktes.
Das Einzige, was immer gleich ist und beachtet werden
sollte: Der Winter raubt sehr viel Calcium. Deshalb
sollte von Dezember bis Februar folgende Kur durchgeführt
werden. Schüsslersalze Nr. 1, Nr. 2 und Nr. 12.
In Wasser aufgelöst eingeben oder zur Not auch
übers Futter streuen (dazu am besten mit einem
kleinen Mörser zermahlen oder auf Globuli zurückgreifen).
Mind. 2 mal, besser aber 3 mal täglich je eine
Tablette. Schüsslersalz Nr. 7 sollte das ganze
Jahr über gegeben werden, da auch hiervon zu
wenig im Futter vorhanden ist. Ein- bis zweimal täglich
eine Tablette davon reicht prophylaktisch aus.
Probleme
bei Gehegehaltung:
- Stereotypien:
Ein erstes Anzeichen für eine Stereotypie kann
bereits sein, wenn der Marder im Gehege ohne ersichtlichen
Grund hin- und herläuft. Es entstehen dadurch
regelrecht Trampelpfade auf der Erde. Da man dieses
Verhalten oft nicht sieht, weil es sich in der Nacht
abspielt, dienen diese Pfade als sicheres Indiz dafür,
dass hier eine Verhaltensstörung stattfindet.
Bereits in diesem Stadium sollte mit Schüsslersalzen
und dementsprechend passenden Nahrungsergänzungen
in Form von "Adler Ortho Kapseln" eingewirkt
werden. Auch hier will ich kein Pauschalrezept angeben.
Das sollte auf den Marder abgestimmt werden. Um aber
im Vorfeld bereits etwas zu tun, hilft Schüsslersalz
Nr. 7 erstmal über die kritische Phase. Den Rest
der Behandlung bitte mit uns abstimmen. Dazu gibt
es im Marderhilfsnetzforum einen eigenen Punkt Namens
"Stereotypien". Hier geht es zum Forum:
Marderhilfsnetz
- Forum
Über diese erste Phase hinaus wird es auch schon
kritisch. Sobald sich der Marder Haare ausbeißt,
sich im Kreis dreht oder sogar bereits in den Schwanz
beißt, ist höchste Alarmbereitschaft angesagt.
Ein solches Verhalten ist nur noch sehr schwer und
zeitaufwendig in den Griff zu bekommen. Oft bleibt
hier nur noch eine unverzügliche Freilassung
des Tieres, was allerdings auch wieder viele Vorbereitungen
und viel Erfahrung benötigt. Einen Gehegemarder
einfach im Wald auszulassen bedeutet mit ziemlicher
Sicherheit seinen Tod. Es darf nicht unterschätzt
werden, dass wir dem Tier die Möglichkeit zu
jagen und sich zu verteidigen bereits abgewöhnt
haben. Diese Instinkte wiederzuerlangen bedarf einiger
Zeit.
Erklärung
von Stereotypien bei Wikipedia
Falsche
Aufzucht:
Ein
Hauptgrund für spätere Stereotypien ist die
fehlerhafte Aufzucht. Falsche Ernährung z.B. mit
Rindfleisch, zuckerhaltigen Speisen oder Babygläschen
verursachen meist bleibende Schäden im Stoffwechsel.
Schoßmarder:
Einen
Marder für die Kinder als Spielersatz zu behalten
ist absolut fahrlässig. Wer denkt, das Tierchen
bleibt so lieb und schmusig, der täuscht sich gewaltig.
Es ist und bleibt ein Wildtier - bitte das nie vergessen.
Ebenso sollte der kleine Marder nie mehrere Bezugspersonen
haben. Das verursacht bei einer späteren Gehegehaltung
ein noch extremeres Revierverhalten. Das Gehege sollte
später nur von max. 2 verantwortungsbewussten Erwachsenen
betreten werden. Außerdem soll der Marder nie
ohne seinen Willen festgehalten werden und schon garnicht
mit dem Mund geküsst werden. Wie jedes Lebewesen
haben auch wir Menschen an den Mundwinkeln Flüssigkeiten,
die einer Markierung gleichkommen. Somit würden
wir den Marder als unser Eigentum markieren, was schnell
zu einer Gegenreaktion führen kann. Der Pfleger
sollte sich im Gehege devot benehmen - als Besucher.
Wir sollten uns zurückhalten und sofort das Gehege
verlassen, wenn der Marder dies anzeigt. Bei einem Rüden
im Gehege wird sich dieses Verhalten ab dem 2. Jahr
sehr deutlich machen. Ab jetzt ist es auch sinnvoll
das Gehege nur mit langen Hosen, Stiefeln und Kettenhandschuhen
(Stechhandschuhe vom Metzgerbedarf - siehe Foto unten)
zu betreten. Sie denken das wäre übertrieben
? Ok, dann warten sie ab bis ihre Hände zum ersten
Mal blutig gebissen sind. Bloß noch eins: Bestrafen
sie dann bitte nicht den Marder - er handelt aus reinem
Überlebens- bzw. Revierinstinkt. Falsch gemacht
haben hier nur die Menschen etwas - nicht das Tier.
Bei Marderfähen verhält sich die Sache etwas
anders. Da sie auch in der freien Natur ihre Reviere
mit anderen Fähen und mind. einem Rüden teilen,
ist das Verhalten im Gehege etwas sozialer. Die Mädchen
sind oft wesentlich länger schmusig eingestellt
und greifen auch nicht so schnell an - Ausnahmen bestätigen
die Regel. Aber seien sie bitte immer darauf gefasst,
dass aus Spaß Ernst wird. Foto rechts: Diese Zähnchen
können sehr schmerzhaft sein.
Fotolinks:
Ein guter und leider oft notwendiger Schutz bei der
Haltung eines Marders im Gehege.
Einzelhaltung:
Der
Marder ist und bleibt ein Einzelgänger. Lediglich
zur Paarungszeit und bei den Fähen während
der Aufzucht der Jungen dulden sie andere Marder in
der Nähe. Wir Menschen neigen dazu so eine Einzelhaltung
mit Einsamkeit zu vergleichen. Bis zum zweiten Jahr
kann die Haltung als Paar (Fähe und Rüde)
noch funktionieren, wird aber dann irgendwann in ein
starkes Dominanzverhalten umspringen. Das kann dann
zu schweren Verletzungen führen. Die einzig versuchenswerte
Konstellation wären zwei Fähen. Aber auch
hier hängt es sehr stark vom Charakter der Fähen
ab, ob es auf Dauer funktiuoniert. Im Gegensatz dazu
- Zwei Rüden geht definitiv nicht gut. Die Kämpfe
nach dem zweiten Jahr können einem von beiden das
Leben kosten. Ebenso unsinnig und verantwortungslos
ist es einem Marder (egal ob Rüde oder Fähe)
ein jüngeres Tier dazuzusetzen. Möglicherweise
wird das Jungtier noch eine Weile zum spielen missbraucht.
Aber bereits nach einiger Zeit wird das in Aggression
umschlagen und das schwächere Jungtier wird massiv
verdrängt und schlimmstenfalls todgebissen. In
der freien Natur kann das schwächere Tier fliehen
und sich ein anderes Revier suchen. Im Gehege ist das
nicht möglich.
Falls
hier nicht alle Fragen beantwortet sind, bin ich gerne
für sie da. Am besten per e-Mail: karin@marderhilfsnetz.de
oder über unser Forum Marderhilfsnetz
- Forum
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