Auswilderung - Allgemein

Jetzt geht's erst richtig los !!

Fläschchen geben, Bäuchlein massieren, füttern - das war noch Spaß. Aber die richtige Aufgabe kommt erst jetzt.

Die Freiheit - eine gefährliche Sache, die eine Ersatzmama den Kleinen so gut wie möglich beibringen muss.

Bitte nicht: So süß die Marderkinder auch sind, bitte nicht herumreichen oder jedem Besuch in die Hände drücken. Die Kleinen müssen lernen, dass der Mensch ihr größter Feind ist - Ersatzmama mal ausgenommen. Im Idealfall haben die Kleinen nur Kontakt mit ihnen und max. noch ihren Familienangehörigen. Eine fehlende Scheu vor Menschen kann später das Leben kosten.

Hier ein Beispiel aus dem Jahr 2010:
Eine Familie in Bayern zog ein Marderchen auf. Als Familienliebling war das Kleine an viele Menschen gewöhnt. Alle Nachbarn waren eingeweiht und waren bei dem Anblick des Baby's entzückt. Das Marderchen wuchs heran und sah weiterhin die gesamte Nachbarschaft als sein Revier. Sogar zum Grillen zu den Nachbarn kam das Marderkind mit, wurde gern gesehen und sogar mit dem einen oder anderen Stück Fleisch vom Grill gelockt. An einem warmen Sommertag im August (Marder inzwischen ausgewachsen) lies er sich wieder vom Grillduft der Nachbarn anlocken. Frech wie immer hüpfte er auf den Tisch und schnappte nach einem Stück Fleisch. Die Dame des Hauses war jedoch nicht mehr so begeistert und wollte das Fleisch zurückhalten. Der Marder biss der Frau in die Hand - ein ganz normales Instinktverhalten. Die Frau ging unverzüglich zu ihrem Arzt um die Wunde (m.E eher eine Lappalie) ansehen zu lassen. Als der Hausarzt erfuhr, dass der Biss von einem Steinmarder war, verständigte er sofort das Landratsamt um auf die Sache aufmerksam zu machen. Obwohl seit Jahrzehnten kein Fall von Tollwut mehr bekannt war, wurde verlangt das Tier sofort einzufangen. Was dann folgte war der Horror für die Familie. Ein ganzer Trupp von Menschen (Tierarzt, Landratsamt, Hausarzt) verlangte die Herausgabe des Marders (der schlief inzwischen wieder friedlich im Wohnzimmer). Vor den Augen der Familie inkl. Kinder wurde der Marder getötet um seinen Kadaver in ein Labor zu schicken. Dort wurde er auf Tollwut untersucht. Das Ergebnis war klar: Keine Tollwut !

Ernährung:

Sobald der Marder im Freien auf sich selbst gestellt ist, kann man noch zufüttern. Zumal es dann schon Herbst bzw. Winter sein wird. Wilde Marder haben über Winter oft einen knappen Speiseplan. Den handaufgezogenen Mardern sollte diese kalte Phase noch etwas erleichtert werden.
Dazu dienen hauptsächlich Eintagsküken und Mäuse, aber auch schon mal ein Hühnerflügel oder ein ganzes Bein. Am besten nicht direkt am Haus füttern, sondern an der nahe gelegenen Scheune, da er ja auch langsam die vertraute Nähe zum Menschen verlieren soll.

Wenn damit der Winter gut überstanden ist (zumal er sich nicht ohnehin schon ein neues Revier gesucht hat), sollte die Fütterung im Frühjahr langsam eingestellt werden. Ab März/April gibt es schon einiges, was sich ihr Marder selbst fangen kann. Also, nicht zu lange verwöhnen ! Er muss ja sein Leben bald selbst in den Griff bekommen.

Generell ist noch zu sagen: Bei erwachsenen Mardern besteht der Hauptteil des Speiseplans aus Futtertieren (ca. 40 %), Obst (ca. 40 %) und sonstiges nur 20 %.

Marderhilfsnetz  •  Karin Amann  •  karin@marderhilfsnetz.de